Ich hätte eine Ersatz-Unterhose mitnehmen sollen – aber wer denkt denn an so was…

An den ersten Arbeitstag außer Haus im Herbst 1972 erinnere ich mich ganz genau.

Alle Schülerinnen sollten die Tätigkeiten im Kindergarten, Altenheim oder Krankenhaus, in einer Familie und auch in der Pflegevorschule erlernen, somit waren alle vormittags beschäftigt. Halbjährlich wurde der Arbeitsplatz gewechselt, so lernte jedes „Schwedenmädchen“ viele verschiedene Berufe kennen.

Das eigene kleine Zimmer aber wurde selbstverständlich in der Freizeit geputzt. Viel Arbeit war es eigentlich nicht, zwei Quadratmeter Fußboden, ein Tischchen, ein kleines Bett, ein Schrank und ein kleines Wandregal sauber zu halten. Wenn man aber bedenkt, dass 14jährige Mädchen eigentlich ´was anderes im Kopf haben, dann dauert das Saubermachen viele Stunden, Tratschen und Trödeln mit einberechnet, und am Abend wurde kontrolliert…

Zum ersten Arbeitstag holte mich „meine Hausfrau“ mit einem teuren Auto ab. Die Familie bestand aus Eltern und zwei Kindern, acht und zehn Jahre alt, und in der Küche stand eine tolle vollautomatische Spülmaschine. Nach einigen Abholfahrten mit dem Auto radelte ich selbstständig zum Arbeitsplatz. Vom Schwedenheim an der Basilikastraße ging es dann mit dem Fahrrad ein Stück durch die Stadt und dann entlang einer Landstraße.

Einmal, nach kurzer Fahrt zogen dunkle Wolken auf und es fing zu regnen an. Bald herrschte ein heftiges Unwetter. Auf dem langen Stück zwischen den Feldern strampelte ich wie verrückt, es platschte unglaublich. Das Regenwasser lief mir an den Beinen herunter in die Schuhe. Bei jedem Pedaltritt drückte sich das Wasser aus der „Budapester Lochung“ meiner schönen braunen Wildlederschuhe heraus. So etwas haben sicher noch nicht viele erlebt, sah aber lustig aus. Triefend nass bis auf die Haut kam ich bei der Familie an, ging wie immer durch den hinteren Eingang, niemand bemerkte etwas. Im Abstellraum war Platz zum Umziehen, die hellblaue Tracht hing am Haken. Ich quetschte mich in ein wollenes Unterhöschen der achtjährigen Tochter des Hauses, um wenigstens nicht ohne Schlüpfer herumzulaufen.              Sachen gibt ´s…

Auf dem Rückweg – nach dem Mittagessen – waren die Sachen einigermaßen trocken.

Abends kam noch ein Gewitter hinterher, als wenn es am Vormittag noch nicht genug Unwetter gegeben hätte. Mit Blitz und Donner ging es später erst richtig los, kaum hatte es das erste Mal ordentlich gekracht, da kam auch schon – wie so oft – die ängstliche Schulfreundin auf leisen Sohlen hereingeschlichen. Duuu,…gruselig… nach gegenseitigem Mutzusprechen schliefen wir beide gemeinsam im 80 – cm – Meter – Bett ein.

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